Gegenmeinungen zu Thomas Lammels Sicherungsgeräte-Studie

Bereits im August haben wir über Thomas Lammels Versuchsreihe zur Sicherheit von seileinlaufwinkelabhängigen Sicherungsgeräten berichtet. Obwohl wir natürlich weiterhin empfehlen, halbautomatische Sicherungsgeräte zu verwenden, möchten wir euch diese Gegenmeinung aus dem schweizerischen Zürich nicht vorenthalten.

Walter Britschgi ist Sicherheitsbeauftragter im Kletterzentrum Gaswerk AG in Zürich. Im Berg und Steigen #96 präsentiert er in einem Leserbrief einen Versuch zum selben Thema, den er mit seinen Kollegen Senn und Hanisch durchgeführt hatte.

Kein realitätsnahes Experiment

An Lammels Versuch kritisiert er, dass dieser die verschiedenen Sicherungsschritte einzeln durchgeführt hatte. Das sei nicht realitätsnah, es fehle ein Experiment, bei dem alle Sicherungsbewegungen enthalten seien. Und genau das führte er mit seinen Kollegen aus. Dabei wollten sie überprüfen, wie gefährlich die von Lammel bemängelte Hand-über-dem-Gerät-Haltung wirklich ist. In ihrem Experiment kommen sie zu einem ganz anderen Ergebnis, als Lammel.

Sturz kommt überraschend

Bei dem Versuch hielt sich ein Kletternder längere Zeit an der Wand fest, um dann plötzlich und überraschend zu fallen. Der Sichernde hatte eine Kappe auf, konnte den Kletterer daher nicht sehen. Der Sturz kommt für ihn ohne Vorwarnung. Die sichernde Person hält außerdem die Bremshand über dem Tuber, die Hand war locker, aber um das Seil geschlossen. Durchgeführt wurden die Versuche im Top-Rope mit bis zu drei Metern Fallhöhe. Gesichert wurde einmal mit einem ATC-Sport Tuber von Black Diamond und einem Smart von Mammut. Der Einlaufwinkel des Seils war unter fünf Grad.

Alle Stürze problemlos gehalten

Nach mehreren Stürzen kommen sie zu folgendem Ergebnis. Die Sensorhand ist ihrer Meinung nach ein Frühwarnsystem, die als erstes von dem Sturz erfährt. Was dann geschieht, ist für Britschgi eine unbewusste Handlung: Sofort umklammern beide Hände das Seil, die Sensorhand zieht es nach oben, die Bremshand nach unten. Schließlich ist das Seil unter dem Sicherungsgerät, das Gerät und auch der Sichernde können nach oben gezogen werden. Die erwünschte Bremsfunktion erfolgt und das bei allen durchgeführten Stürzen. Der Fallende wird problemlos gehalten.

Bremshandposition nicht alleinige Unfallursache

Weil Lammel diesen Aspekt übersehen habe, seien seine Schlussfolgerungen nicht korrekt. Auch die Unfall- und Erhebungsstatistik des Kletterzentrums aus dem Jahr 2013 unterstütze Lammels Theorie nicht, so Britschgi. Auch ihm selbst sei in seiner 15-jährigen Tätigkeit noch kein Fall untergekommen, bei dem ein Sturz nur aus dem Grund passierte, weil die Bremshand über dem Gerät war. Dass dies durchaus zu einem Sturz beitragen kann, bestreitet aber auch Britschgi nicht.

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