Sicherungsgeräte halten nicht immer, was sie versprechen

Im Klettersport gibt es eine Vielzahl an Sicherungsgeräten. 2013 äußerte Thomas Lammel den Verdacht, die seileinlaufwinkelabhängigen Geräte seien nicht sicher. Eine andauernde Diskussion mit vielen unterschiedlichen Meinungen war die Folge. Nun hat Lammel versucht, seinen Verdacht zu bestätigen.

Bereits 2013 sprach Thomas Lammel im Fachmagazin Berg und Steigen seine Bedenken bezüglich der Sicherheit von Sicherungsgeräten beim Sportklettern offen aus. Ein Jahr später ergänzte er seine Einschätzungen in einem weiteren Artikel. Lammel ist Laborleiter einer Prüfstelle für Sicherheitsgeräte und selbst erfahrener Sportkletterer – und hat mit seinen Aussagen eine breite Diskussion ausgelöst. Die Reaktionen waren sehr kontrovers. Während die einen es als vorbildlich ansahen, dass das Thema direkt angesprochen wurde, meinten andere, die Einschätzungen hätten mit der Praxis im Sportklettern nichts zu tun. Doch was hat Lammel nun eigentlich behauptet?

Einige Sicherungsgeräte erfüllen Kriterien nicht

Thomas Lammel arbeitet in einem Prüfhaus. Dort werden Sicherheitsgeräte auf ihre Tauglichkeit geprüft – unter strengen Auflagen und Normen. Erfüllt ein Gerät diese Normen nicht, gilt es als unsicher, bekommt keine Zulassung und kommt somit nicht auf den Markt. Zumindest nicht in der EU. Lammel stellt nun dieselben Ansprüche an ein Sicherungsgerät, dass beim Sportklettern verwendet wird. Demnach muss ein Sicherungsgerät zu jedem Zeitpunkt die Sicherheitsleistung bzw. die notwendige Bremswirkung zur Verfügung stellen. Er ist der Meinung, dass – selbst bei richtiger Bedienung – Tuber, Smart und ClickUp diese Kriterien nicht erfüllen. Alle drei zählen zu den sogenannten seileinlaufwinkelabhängigen Geräten. Soweit Lammels Grundaussage. Im Februar 2016 hat er nun versucht, seine Einschätzung mittels einem Versuch wissenschaftlich zu untermauern. Die Ergebnisse könnt Ihr im Detail im Berg und Steigen Nummer 95 nachlesen.

 

Sicherungsgeräte von links nach recht: GriGri, HMS, Smart, ClickUp und Tuber.
Sicherungsgeräte von links nach rechts: GriGri, HMS, Smart, ClickUp und Tuber.
Was wurde gemessen?

Als Messgrößen ermittelte Lammel die Handhaltekraft des Sichernden sowie dessen Reaktionszeit und den Kraftanstieg, der vom Sichernden aufgewendet werden muss, um das Bremsseil zu halten. Die schnellste Reaktionszeit im Versuch lag bei 126 Millisekunden, die höchste Handkraft lag bei 0,464 Kilonewton, also ungefähr 470 Kilo, die vom Sichernden gehalten wurden. In seiner Rechnung kombinierte Lammel diese Ergebnisse mit dem Gewicht, dass auf das Bremsseil wirkt. Er stellte fest, dass nach 126 Millisekunden bereits 0,65 Kilonewton gehalten werden müssten. Deutlich mehr als die maximale Handkraft von 0,464 Kilonewton.

Verkauf und Produktion einstellen

Aus diesen Ergebnissen schlussfolgert Thomas Lammel, dass seileinlaufwinkelabhängige Geräte keinen ausreichenden Schutz in bestimmten Situationen bieten. Er fordert daher ein Verbot dieser Sicherungsgeräte. Er weist auch daraufhin, dass die Gefährlichkeit schon seit 2013 bekannt sei und die Hersteller nicht in der Lage waren, die Sicherheitsbedenken auszuräumen. Außerdem konnten sie die Sicherheit solcher Geräte auch nicht nachweisen.

Lammel fordert daher die Hersteller auf, sicherheitstechnische Verantwortung zu übernehmen, da ihre Geräte nachweislich nicht funktionstüchtig seien.

Seileinlaufwinkel: Je kleiner der Winkel zwischen Kletterer- und Bremsseil, desto größer das Risiko im Falle eines Sturzes.
Seileinlaufwinkel: Je kleiner der Winkel zwischen Kletterer- und Bremsseil, desto größer das Risiko im Falle eines Sturzes.
Grifffest Einschätzung:

Wir schließen uns Thomas Lammels Einschätzung an und raten Dir, keine seileinlaufwinkelabhängigen Sicherungsgeräte zu verwenden. Dazu gehören etwa die bereits erwähnten, also Tuber, Smart und ClickUp. Diese drei wurden auch in Lammels Versuch getestet. Deshalb sind wir der Meinung, es sollte am besten beim Sportklettern ein GriGri und beim Alpinklettern der klassische HMS zum Sichern verwendet werden.

Letztendlich aber liegt die Entscheidung bei jedem selbst, wie man als Kletterer bzw. Kletterin mit diesem Thema umgeht. Wir haben hier eine Seite der Diskussion aufgezeigt, jedoch sollte jeder selbst Verantwortung übernehmen und sich bestmöglich über neueste Entwicklungen zum Thema Sicherheit informieren.

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