{"id":793,"date":"2019-01-31T08:54:51","date_gmt":"2019-01-31T07:54:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.grifffest.at\/wp_grifffest\/?p=793"},"modified":"2019-01-31T08:58:37","modified_gmt":"2019-01-31T07:58:37","slug":"demenz-haelt-nicht-vom-klettern-ab","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.grifffest.at\/wp_grifffest\/demenz-haelt-nicht-vom-klettern-ab\/","title":{"rendered":"Demenz h\u00e4lt nicht vom Klettern ab"},"content":{"rendered":"<p><em>Die Diagnose Demenz bedeutet f\u00fcr viele Menschen der Verlust der Selbstst\u00e4ndigkeit und das Angewiesensein auf Pfleger und Pflegerinnen. Ein Projekt will den Betroffenen wieder mehr Entscheidungsfreiheit und Bewegung erm\u00f6glichen: In der Kletterhalle.<\/em><\/p>\n<p>Je \u00e4lter Menschen werden, desto mehr steigt das Risiko an Demenz zu erkranken. Laut <a href=\"https:\/\/www.sozialministerium.at\/site\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Sozialministerium<\/a> leben in \u00d6sterreich derzeit 115.000 Menschen mit der Krankheit. Sie verlieren nach und nach kognitive, emotionale und soziale F\u00e4higkeiten. Vor allem betroffen sind das Kurzzeitged\u00e4chtnis, das Denkverm\u00f6gen, die Sprache, die Motorik und in vielen F\u00e4llen die Pers\u00f6nlichkeit. Die Folge: Oft m\u00fcssen sie in Institutionen oder von Pflegern betreut werden.<\/p>\n<h5>Demenz bedeutet Rollenverlust<\/h5>\n<p>Dort gibt es meist einen geregelten Ablauf, selbst Entscheidungen treffen m\u00fcssen die Betroffenen oft nicht mehr. Das f\u00fchrt auch zu einem Rollenverlust, schreiben Hermann Wiesinger und Sabinge W\u00f6gerbauer im Magazin &#8222;<a href=\"https:\/\/www.alpenverein.at\/portal\/service\/bergauf\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Bergauf<\/a>&#8222;. &#8222;Sehr schnell wissen andere, was gut f\u00fcr uns ist&#8220;, hei\u00dft es weiter. Wiesinger ist Kommunikations- und Klettertrainer, auch im therapeutischen Bereich. W\u00f6gerbauer ist Experting f\u00fcr Demenzstudien.<\/p>\n<h5>Inklusion statt \u00dcberbeh\u00fctung<\/h5>\n<p>Mit ihrem Projekt wollen sie Menschen mit Demenz wieder ein St\u00fcck mehr Entscheidungsfreiheit und Abwechslung erm\u00f6glichen. Sie sind der Meinung, dementielle Menschen geh\u00f6ren in die Gesellschaft inkludiert und begleitet, aber nicht \u00fcberbeh\u00fctet. Deshalb begleiten sie jene, die es wollen, zwei Mal im Monat in die Kletterhalle.<\/p>\n<h5>Klettern mit Demenz: Spa\u00df an der Bewegung<\/h5>\n<p>Im Vordergrund steht die Bewegung und der Spa\u00df und das Selbstkonzept der Menschen wieder zu ver\u00e4ndern. Verlieren Menschen ihre Sinne, w\u00fcrden sie auch das Vertrauen in ihre Fertig- und F\u00e4higkeiten verlieren und weniger Mut haben, etwas auszuprobieren, schildern die Autoren. Weil sie beim Klettern selbst entscheiden k\u00f6nnen, welchen Griff sie verwenden und wie hoch sie hinauf wollen, und sich der K\u00f6rper an verschiedenste Bewegungsabl\u00e4ufe erinnert, h\u00e4tten die Betroffenen wieder mehr Selbstbewusstsein, sind sich die beiden sicher.<\/p>\n<h5>Vertrauen als Wegbereiter an die Kletterroute<\/h5>\n<p>Der Weg eines dementen Menschen an die Kletterwand f\u00fchre \u00fcber Vertrauen: Technische und wissenschaftliche Erkl\u00e4rungen w\u00fcrden nichts bringen, erkl\u00e4ren Wiesinger und W\u00f6gerbauer. Das Klettern beginnt nicht mit dem ersten Griff, sondern mit der Idee, es \u00fcberhaupt zu versuchen. Respektvolle Kommunikation und die M\u00f6glichkeit, jederzeit &#8222;Nein&#8220; sagen zu k\u00f6nnen, bauen Vertrauen zwischen Sicherer und Kletterer auf. Als Sicherer eines dementen Kletterers spiele K\u00f6rpersprache eine entscheidende Rolle, hei\u00dft es im Bericht. Nicht nur m\u00fcsse man besonders auf nonverbale Signale des Kletterers achten, sondern auch selbst viel \u00fcber Mimik und Gestik kommunizieren. Das gebe Sicherheit.<\/p>\n<h5>Spielerisches Training beugt St\u00fcrze vor<\/h5>\n<p>Die Freude \u00fcber den eigenen Erfolg, das Geschaffte w\u00fcrden das Selbstverst\u00e4ndnis der Menschen ver\u00e4ndern. Zudem sei uns Klettern quasi in die Wiege gelegt, es sei ein ureigener Bewegungsablauf, den wir schon als Kinder automatisch beherrschen w\u00fcrden, beschreiben die Autoren. Spielerisch trainiert werden Ausdauer, Beweglichkeit, Kraft und koordinative F\u00e4higkeiten: Es diene also auch der so wichtigen Vorbeugung von St\u00fcrzen.<\/p>\n<h5>&#8222;Deshalb sind es gute Entscheidungen&#8220;<\/h5>\n<p>Festgestellt haben die beiden, dass Menschen mit Demenz anders klettern. Sie ersp\u00fcren die Griffe zuerst, testen, ob sie ihnen vertrauen oder nicht und dann erst geht es weiter. Ein Antizipieren der Griffe auf gut Gl\u00fcck und dynamische Bewegungen kommen nicht vor. Die Menschen treffen eigene\u00a0Beschl\u00fcsse\u00a0und merken, dass es funktioniert: &#8222;Alleine schon deshalb sind es gute Entscheidungen, die sich in freudvollen Gesichtern wiederspiegeln.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Diagnose Demenz bedeutet f\u00fcr viele Menschen der Verlust der Selbstst\u00e4ndigkeit und das Angewiesensein auf Pfleger und Pflegerinnen. 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