Wasser, Wald und Granit

Boulderurlaub. Da kommt den meisten von uns in Zentraleuropa sofort Fontainebleau, Magic Wood oder das Tessin in den Sinn. Nicht zu unrecht, immerhin sind alles drei top Gebiete und bringen eine menge an Boulderblöcken die wohl für mehr als ein Klettererleben ausreichen würden. Abgesehen von diesen drei gibt es noch eine Unzahl weiterer bekannter gebiete, trotzdem möchte ich aber mal über ein etwas weniger bekanntes Reiseziel für Kletterer sprechen – Finnland.

Ich hatte das glück ein halbes Jahr in Finnland zu verbringen zu können. Und noch mehr glück, dass neben dem Studieren genug Zeit blieb um dort zu Bouldern. Ich würde ja sagen klettern, aber das wäre so halb gelogen. Es gibt kaum Wände die hoch genug sind für Sportkletterrouten, geschweige denn Mehrseillängenrouten. Dafür gibt es aber umso mehr Boulderblöcke, denn im Prinzip besteht der Großteil des Bodens in Finnland aus Granit. Diese liegen dann verstreut in den schier endlosen Wäldern. Immerhin sind ca. 70% des Landes mit Wald bedeckt (was ganz nebenbei auch in der frischesten Luft die ich je eingeatmet habe resultiert). Weitere 10% sind Wasser welche aus fast 190 000 Seen summiert, somit kann man sicher sein, dass ein erholender Sprung ins Wasser nach dem Bouldern garantiert ist. Wer Erholung nach dem Sport richtig ernst nimmt oder die Wassertemperatur auf Anhieb zu kalt empfindet, der kann ja einfach vorher noch kurz in die Sauna ;).

Einer der etwa vier Seen die ich fußläufig von meiner WG aus erreichen konnte, inklusive Boulderblock in Ufernähe.

Aber genug der Fakten und zurück zum Bouldern. Wie überall ist eines der besten Dinge die Klettercommunity! Da sich der Klettertourismus und die Größe der Gemeinschaft dort noch recht in grenzen hält, spürt man das noch viel mehr. Ich persönlich hatte daher absolut keine Schwierigkeiten dort einfach in eine Boulderhalle zu latschen und dort Leute kennenzulernen mit denen ich am nächsten Tag direkt gemeinsam ein paar Boulder zu bezwingen konnte. Hier merkt man wie offen und vertrauensselig die Finnen und Finninnen sind. Es muss einem allerdings klar sein, dass man diese auch oft direkt ansprechen und schnell zum Thema kommen muss. Das Klischee, dass Smalltalk dort eher vernachlässigt wird kann ich wirklich nur bestätigen. Aber auch ganz ohne persönliches kennenlernen helfen dir die Einheimischen bei der Bouldersiche, denn die meisten Boulderblöcke in Finnland werden auf der Plattform 27crags (https://27crags.com/) von Locals vermerkt und (fast immer) auch für nicht-Premiummitglieder zur Verfügung gestellt.

Wunderschöner Boulder im Gebiet „Tampereen hinoin kivi“ (übersetzt „Tamperes feinster Stein“) mit allem was man sich wünscht. Leisten, Toehooks und zum Abschluss ein knackiger Mantle.

Gebiete gibt es zuhauf und da alles recht verstreut ist wird man sicher überall fündig. Gebiete die ich kennenlernen durfte sind alle rund um Tampere bzw. Nokia. Das einfachste ist da denke ich tatsächlich sich auf Locals zu verlassen oder einfach 27crags durchzustöbern. Der Vorteil bei dem ganzen ist, dass normalerweise keines der Gebiete wirklich überlaufen ist. Der Nachteil wiederum, dass kleinere Gebiete oft schwierig sein können wenn man mit einer größeren Gruppe unterwegs ist da dann oft nicht für jeden etwas dabei ist.

Das wohl beste finnische Bouldergebiet befindet sich allerdings nicht auf dem finnischen Festland sondern auf einer kleinen Inselgruppe zwischen Finnland und Schweden. Aland gehört zwar zu Finnland ist allerdings schwedischsprachig und hat eine eigene Flagge. Das Flair ist wirklich einzigartig und ich habe ein ganz lustiges Video verlinkt welche ihn meiner Meinung nach gut einfängt! Ich selber war leider zu einem Zeitpunkt auf Aland zu dem die Bouldersaison schon vorbei war. Trotzdem fand ich die Reise wirklich sehr cool, wer hätte das Gedacht ;). Bringt mich auch direkt zu einem kleinen Wehrmutstropfen. Die Saison in Finnland ist durch die doch sehr nördliche Lage vielleicht etwas kürzer als einem lieb ist. Am besten ist es wohl im Früh- bzw. Spätsommer. Zwar wird es im Hochsommer normalerweise auch nicht zu heiß zum Bouldern muss man da mit einer Unmenge an Mücken rechnen. Wer nun aber auf den Geschmack gekommen ist, dem kann ich nur empfehlen sich nach einer passenden Hütte („Mökki“) umzuschauen und die Fähren nach Mariehamn zu checken!

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